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	<title>Sina Doughan &#187; Libyen</title>
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	<description>GRÜNE JUGEND Bundessprecherin, Platz 15 zur Bundestagswahl Bayern, Direktkandidatin Ansbach</description>
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		<title>Dienstag, 05.06.2012: Besuch im Lager für Binnenvertriebene, Tewargha</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jun 2012 11:30:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Soziales]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlingspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Libyen]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach dem Frühstück, während sich Barbara mit Vertretern der EU getroffen hat, fuhren wir zum Lager für Binnenvertriebene (Tewargha). Wir fuhren dafür Richtung Flughafen, der in der Mitten in Tripoli liegt, direkt neben mehreren Bau-Ruinen. Türkischen Bauunternehmen haben während der &#8230; <a href="http://www.sina-doughan.de/?p=64">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem Frühstück, während sich Barbara mit Vertretern der EU getroffen hat, fuhren wir zum <strong>Lager für Binnenvertriebene (Tewargha)</strong>. Wir fuhren dafür Richtung Flughafen, der in der Mitten in Tripoli liegt, direkt neben mehreren Bau-Ruinen. Türkischen Bauunternehmen haben während der Revolution das Land verlassen und die Baustellen menschenleer zurück gelassen.</p>
<p>Auf der Fahrt zu den Tewargha versuchte ein Vertreter vom libyschen Protokoll, uns ungefragt und gegen die Planung zu einem anderen Lager, dass angeblich in einem besseren Zustand ist, zu leiten. Allerdings missglückte diese Aktion, da unsere Fahrer den richtigen Weg kannten und sich nicht von dem Versuch beeindrucken ließ.<span id="more-64"></span></p>
<table border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#d8feb1">
<h2>Besuch im Lager für Binnenvertriebene</h2>
<p>Umzäunt und mit Wachen beschützt, steht das Lager für Binnenvertriebene mitten in Tripolis. Es ist eines der drei größten Lager, die es in der Umgebung von Tripolis gibt. Insgesamt mussten 40.000 Menschen fliehen. Den meisten Menschen der Tewargha wurde vorgeworfen, Söldner oder Gehilfen Gaddafis gewesen zu sein und ihn unterstützt zu haben. Außerdem wird ihnen vorgeworfen, Vergewaltigung als Kriegswaffe benutzt zu haben.</p>
<p>In Tripolis sind insgesamt ca. 16.000 Menschen in Flüchtlingslagern untergebracht, in Benghazi ca. 11.000 und in einer weiteren Stadt, ich glaube Sirte, nochmal ca. 10.000 Menschen. In dem Lager, dass wir besuchten, waren ca. 4.000 Menschen. Empfangen wurden wir von Samuel Cheung, UNHCR, der uns durch das Lager führte. Wir besuchten eine Frau in ihrem Wohnbereich (ca. 8-10 qm) indem sie mit ihren insgesamt vier Kindern lebt. Sie sind geflohen und sie erzählte uns, dass sie noch vier Brüder hat, die aber alle von Milizen gefangen genommen wurden und sie nicht weiß, ob sie noch leben. Niemand weiß, in welchem Gefängnis ihre Brüder sind und ob sie noch leben. Nur die Miliz selbst weiß, was mit diesen Menschen passiert.</p>
<p>Danach gaben Claudia und Barbara, zusammen mit der UNHCR und dem Leiter des Lagers, eine Konferenz für die Menschen in den Lagern. Für ca. 1,5 Stunden wurden Fragen und Statements abgegeben. Insgesamt waren rund 40-60 Menschen gekommen, um sich zu beteiligen oder einfach nur mitzuhören. Die meisten von ihnen waren Männer.</p>
<p>Ich fragte mich, was wir tun können, um den Menschen vort Ort zu helfen. Es ist notwendig, dass wir in Deutschland eine Öffentlichkeit erzeugen und Organisationen unterstützen, die vor Ort dringend benötigte Hilfe leisten. Wir müssen auch dafür sorgen, dass im Bundestag und im Europaparlament immer wieder dazu berichtet wird, so dass das Thema nicht von der Tagesordnung fällt.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Nach dem Besuch im Camp der Tewargha in Tripoli, setzten wir uns zu einer entscheidenden Lagebesprechung zusammen. Vor rund einer Stunde wurde bekannt gegeben, dass Milizen den Flughafen Tripoli gestürmt und erobert haben, um ihren Milizenanführer, der von der Übergangsregierung gefangen genommen wurde, freizupressen.<br />
Es fielen Schüsse und die Lage am Flughafen war äußerst unklar. Die Flüge wurden alle bis auf weiteres gestrichen. Eigentlich war angedacht, dass wir an dem Abend nach Tunis fliegen würden. Dies war erst einmal nicht möglich.</p>
<p>Wir führten eine längeren Diskussion mit dem uns begleitenden Personenschutz des BKA über die Option, den Landweg von Tripolis nach Djerba zu nehmen. Es wurden uns alle Risiken genannt, so dass wir sehr gut wussten, was alles passieren könnte, wenn wir über den Landweg fahren. Ab diesem Zeitpunkt wurden wir auch vom GSG9 begleitet. Schließlich haben wir uns entschieden, einfach abzuwarten und weder den Landweg, noch mit einem Schiff an der Küste entlang, nach Tunis weiterzufahren.</p>
<p><strong>Option 1:</strong> Abwarten und schauen ob die Fluggesellschaften am nächsten Morgen grünes Licht gegen und Flüge wieder möglich sind.</p>
<p><strong>Option 2:</strong> Heute Abend nach Alexandria fliegen, um von dort aus nach Kairo und dann weiter nach Tunis zu reisen. Es gab angeblich noch ein Flugzeug, dass an dem Abend noch nach Alexandria fliegen sollte.</p>
<p>Die Abstimmung in unserer Reisegruppe zeigte eine deutliche Mehrheit für Option 1, nur zwei Mitglieder (u.a. ich), waren für den Weg über Alexandria.</p>
<p>Damit hatten wir eine Entscheidung und wir konnten noch einen gemütlichen Abend in Tripoli verbringen.</p>
<table border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#d8feb1">
<h2>Treffen mit Georg Charpentier, 2. Vertreter des Generalsekretärs der UN in Libyen</h2>
<p>Nach dem Mittagessen fuhren wir nach Palm City, um uns dort mit dem amtierenden Leiter der VN Mission UNSMIL, Georg Charpentier, zu treffen. UNSMIL ist ein Akronym für <strong>UN</strong> <strong>S</strong>upport <strong>M</strong>ission <strong>I</strong>n <strong>L</strong>ibya und soll Libyen im Aufbau von Gesetzen, einer Verfassung und einer politischen Strukturen, helfen und unterstützen. Herr Charpentier ist seit Mitte September 2011 in Libyen und ist, nachdem das Stabilisierungsteam nur bis März 2012 in Libyen stationiert war, für ein weiteres Jahr, bis März 2013, vor Ort.</p>
<p>Wir haben sehr lange mit ihm über die Krux und die Frage von Gerechtigkeit und Versöhnung gesprochen, gerade nach der offiziellen Entschuldigung der Tewargha. Die Problematik ist hierbei allumfassend und betrifft Libyen in allen vorstellbaren Ebenen. Es wird wohl noch eine sehr lange Zeit dauern, bis wirklich Gerechtigkeit herrscht, denn nach so vielen Jahren mit alltäglichen Menschenrechtsverletzungen, ist ein sozialer Frieden nicht leicht zu finden.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong>Besuch im “Art-House”</strong></p>
<p>Leider ist mir vom Art-House nicht mehr so viel in Erinnerung geblieben, außer das es da beeindruckende Revolutions-Bilder gibt und das der Direktor des Art-Houses ein eindeutiger Unterstützer Gaddafis war/ist. Hinter seinem Schreibtisch war der Staubabdruck eines großen Bildes zu erkennen, was vermutlich ein schickes Bild von Gaddafi war. Durch die Ausstellung konnte ich leider selbst nicht gehen, da ich einige Telefonate mit meiner Fluggesellschaft und diversen Reisebüros führen musste, um für mich meinen Flug umzubuchen und noch für Mittwoch einen Platz im Flugzeug zu bekommen.</p>
<p>Nach unserem Besuch im Art-House haben wir uns darauf geeinigt, nochmal im Hotel einzuchecken, eine kurze Besprechung zu machen und uns dann Tripoli anzuschauen. Bei der Besprechung haben wir festgetsellt, dass nicht alle JournalistInnen einen Platz für unseren Flug am Mittwoch bekommen haben. Daraufhin haben sich drei Journalisten spontan dazu entschlosen, auf eigene Verantwortung mit dem Taxi an die Grenze nach Tunesien zu fahren und dann von dort aus direkt zum Hotel nach Djerba, eine Halbinsel in Tunesien, wo wir am Donnerstag unsere letzten Termine hatten und das Flüchtlingscamp in Shousha besuchen werden.</p>
<p>Die anderen, die noch kein sicheres Flugticket bekommen haben, aber auch nicht mit dem Auto fahren wollten sollten mit zum Flughafen kommen. Claudia, Jens, Melanie und ein Jorunalist hatten bereits einen Direktflug nach Tunis. Barbara, Raphael und ich einen Flug über Benghazi nach Tunis. Drei Journalisten fuhren mit dem Auto und zwei weitere JournalistInnen hofften auf ein Ticket am Flughafen und kamen auf Verdacht zum Flughafen mit.</p>
<p>Danach sind wir sehr nett Essen gegangen, es gab Baby-Kamel und/oder Couscous mit Gemüse <img src='http://www.sina-doughan.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
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		<title>Montag, 04.06.2012: Treffen mit VertreterInnen der libyschen Politik und Zivilgesellschaft in Tripolis</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jun 2012 10:54:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sina</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frauen & Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Libyen]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum Frühstück trafen wir uns mit einigen VertreterInnen der Delegation des Afrika-Vereins, ein Außenwirtschaftsverband, der die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Ländern Afrikas fördern soll. Der Verein wurde 1934 gegründet und hat heute über 600 Mitglieder: meist deutsche und &#8230; <a href="http://www.sina-doughan.de/?p=49">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zum Frühstück trafen wir uns mit einigen VertreterInnen der Delegation des <strong>Afrika-Vereins</strong>, ein Außenwirtschaftsverband, der die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Ländern Afrikas fördern soll. Der Verein wurde 1934 gegründet und hat heute über 600 Mitglieder: meist deutsche und afrikanische Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen.</p>
<p>Ich würde das Treffen folgendermaßen zusammenfassen:</p>
<p>Wir (Politik) sollen endlich mal was für die Wirtschaft tun. Deutschland ist im internationalen Wettbewerb viel zu langsam und bekommt durch zuviel Bürokratie nichts vernünftig umgesetzt, weiterhin im Wettbewerb zu bleiben. Dadurch bekommen Unternehmen im Ausland sehr schlechte Karten für Vertragsabschlüsse. (Kurze Frage am Rande: Warum gehört Deutschland dann zu den Exportweltmeistern?) Was richtig ist: Deutschland braucht eine einfachere Visapolitik!</p>
<p>Nach dem Frühstück stand ein <strong>Treffen mit Frau Dr. Salwa Draighli</strong>, einem Mitglied des Nationalen Übergangsrates, im Hotel Rixos auf dem Plan. Das Hotel Rixos ist bekannt dafür, dass dort während des Bürgerkrieges internationale JournalistInnen untergebracht waren. <span id="more-49"></span>Als wir dort ankamen, wurden wir sehr nett begrüßt und in einen Saal, der schon für das Treffen vorbereitet war, gebracht. Nach etwa fünf Minuten kam der Mann vom libyschen Protokoll und schreite wahlos rum. Wir haben allesamt nichts verstanden, um was es genau ging und was das Problem war. Wie wir dann im Nachhinein mitbekommen haben, hat er sich übergangen gefühlt und hat deshab das Treffen an einen anderen Ort verlagert, leider ohne uns etwas davon mitzuteilen.</p>
<table border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#d8feb1">
<h2>Treffen Mit Frau Dr. Salwa Draighli</h2>
<p>Frau Dr. Salwa Draighli ist eine der drei Frauen im 40-Köpfigen Übergangsrat. In dem Gespräch ging es vor allem darum, wie es mit den Gesetzen 37 und 38 weitergehen soll. Laut Gesetz 37 vom 2. Mai 2012 gilt als Straftat: die Verbreitung falscher Informationen oder Propaganda bezüglich militärischer Bemühungen, das Land zu verteidigen; Informationen, die die Bevölkerung terrorisiert; oder die die Moral der Bevölkerung schwächt. Teil der Definition von Propaganda ist die Glorifizierung Gaddafis, seine Regimes oder seiner Söhne. Maximalstrafe ist lebenslange Haft. Auch besagt Gesetz 37, dass jedem, der die Revolution vom 17. Februar beschädigt, Haft drohe. Der Absatz hierzu ist eine exakte Kopie des Gaddafi-Gesetzes, außer dass der sich auf seine eigene Revolution bezog. Schließlich droht eine Haftstrafe auch demjenigen, der den Islam, das Ansehen des Staates und der Institutionen und der Justiz diskreditiert oder das libysche Volk, die Landesparole oder die Flagge beleidigt. Gesetz 37 verletzt damit eindeutig das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit und erinnert stark an Gesetze aus Gaddafis Zeiten. Außerdem verstößt das Gesetz 37 gegen die am 3. August 2011 verabschiedete Übergangsverfassung Libyens, in der im Menschenrechtskapitel die Meinungsfreiheit garantiert wird.<br />
Gesetz 38 vom 2. Mai 2012 erlaubt es libyschen Behörden, Menschen, von denen eine Gefahr für die Sicherheit ausgehe, für bis zu zwei Monate ohne Anklage festzuhalten. Dabei reicht auch eine verdächte Gruppenzugehörigkeit in der Vergangenheit. Es muss also nicht einmal ein konkretes Verdachtsmoment vorliegen. Außerdem ist die Umschreibung Gefahr für die Sicherheit so ungenau, dass im Prinzip jeder für zwei Monate aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit geschafft werden könnte. Immerhin kann diese Entscheidung vor einem Richter angefochten werden. Andererseits hat das Gesetz auch gute Seiten. So wird das Innenministerium beauftragt, all jene Gefangenen, die sich noch in den Händen der Milizen befinden und gegen die genügend Beweise vorliegen, an die entsprechende juristische Instanz zu verweisen. Aber die oben beschriebene Verwaltungshaft verstößt eindeutig gegen internationale Standards. Auch geht sie gegen die Übergangs-Verfassung, die Gleichheit vor dem Gesetz verspricht. Ebenso verbietet der UN-Zivilpakt diese Art der Festnahme; Libyen hat den ICCPR unterzeichnet.</p>
<p>Auch soll keiner der freigesprochenen Gefangenen gegen die Milizen vorgehen können. UnterstützerInnen der Revolution vom 17. Februar wird hingegen Straffreiheit zugesprochen. Zitat: <em>„there shall be no penalty for military, security or civil actions dictated by the February 17 Revolution that were perfomed by revolutionaries with the goal of promoting or protecting the revolution.“</em> Das geht eindeutig gegen internationale Standards und ist ein sehr beunruhigendes Zeichen. Gerade auch hinsichtlich möglicher ICC-Untersuchungen zeigt Gesetz 38, dass an ausgewogener Aufklärung verschiedenster Menschenrechtsverletzungen kein Interesse besteht. Wichtig: derartige Amnestie-Gesetze haben rechtlich keinen Einfluss auf andere nationale und internationale Gerichtshöfe, also auch nicht auf den ICC.</p>
<p>Allerdings wurde das Gesetz 38 beispielsweise ganz anders aufgefasst, als wir das vermutet hatten. Der Hintergedanke ist tatsächlich eine regulierte kontrollierte Entlassung der unrechtmäßigen Gefangenen die während des Krieges eingesperrt wurden.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Nach dem Treffen mit Frau Draighli fuhren wir weiter zum Büro des <strong>Staatssekretärs Dr. Hadi Ghariani</strong>, in dessen Gebäude viele Rebellen der Milizen standen, mit denen es dann zum Schluss noch ein Foto gab.</p>
<table border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#d8feb1">
<h2>Treffen mit Dr. Hadi Ghariani, Staatssekretär</h2>
<p><strong><strong><br />
Das Gespräch mit dem Staatssekretär Dr. Hadi Ghariani konnte auf Deutsch geführt werden, da er selbst einige Zeit in Deutschland gelebt hatte und daher die Sprache sehr gut beherrschte. Wir haben bei diesem Gespräch erst sehr lange über die Problematik der Milizen in Libyen gesprochen. Es gibt noch sehr viele offene Fragen dabei, z.B.: Wer gehört zu swn Revolutionären bzw. zu den Milizen, die gekämpft haben und wer nicht? Es gibt keinerlei Dokumentationen oder Registrierung von Menschen, die im Krieg gegen Gaddafi und für ein freies Libyen gekämpft haben. Daran geknüpft sind Rentenansprüche, Kriegsentschädigungen, Rehabilitationsabsprüche etc. Das Problem hierbei ist auch, dass es sehr viele kleine Milizen gibt, die teilweise nur aus 15-20 Männern besteht. Ganz spitz ausgedrückt: Kann man sich mit 14 anderen im Shop gegenüber Klamotten für 20 Dollar kaufen? Was macht man mit den ganzen Menschen die jetzt gerade in einer Miliz tätig sind? Viele von den jungen Männern wollen eine Ausbildung, wollen studieren oder ihre Schule beenden. Es sollen viele Menschen zu Polizisten ausgebildet und geschult werden. Angeblich werden in Jordanien bereits viele Menschen ausgebildet.<br />
</strong></strong>Das zweite große Thema war Versöhnung, und wie diese zwischen den einzelnen Gruppen in Libyen entstehen kann. Libyen ist kein Land, welches von Minderheiten geprägt ist. Es gibt nur sehr wenige, die auch für sich genommen, sehr klein sind. Rund 97% der Bevölkerung sind sunnitische Muslime und rund 97% sind aus kulturell und sprachlich arabisierten Berbern und Arabern sowie sprachlich nicht assimilierten Berbern. Doch gibt es jetzt eine sehr große Problematik, gerade mit den Minderheiten, die auch Gaddafi als Söldner ins Land gebracht hat und mit den Arabern untereinander. Das Land ist voller Hass und Leid, es herrscht kein Vertrauen mehr, weder auf den Straßen noch in der Zusammenarbeit auf den verschiedenen Ebenen.</p>
<p>Über 90% der LibyerInnen besitzen und/oder tragen Waffen und machen auch davon Gebrauch. Es gibt gerade Nachts sehr viele Schießereien in den Städten. Da durch das Misstrauen, die Nachfrage von Waffen stark in die Höhe ging und somit, zum großen Teil auch aus Deutschland, viele Waffen ins Land exportiert wurden, ist eine Herausforderung, ein funktionierendes Rechtssystem, eine funktionierende Exekutive und Vertrauen, zu etablieren. Außerdem müssen diese Waffen kontrolliert, registriert und eingesammelt werden. Teilweise haben 12-Jährige Kinder Waffen bei sich.</p>
<p>Zur Versöhnung gehört auch die Vergebung von Verbrechen. Die Tewargha haben sich bereits öffentlich entschuldigt, allerdings ist die Entschuldigung von den Revolutionären nicht angenommen worden. Es soll nun eine Art Wiederversöhnungsrat eingerichtet werden, eine Kommission zur Wahrheitsfindung und Versöhnung. Es sollen hierbei sieben Menschen, davon drei Frauen, diesem Rat angehören. JuristInnen, Menschenrechtsorganisationen und andere, haben nach vielen Recherchen, auch im wiedervereinigten Deutschland und anderen Krisenstaaten, ein Konzept dazu entwickeln. Der darauf aufbauende Prozess ist außerdem eine Chance, eine Erinnerungskultur an die unzähligen Menschenrechtsverletzungen, an die Diktatur und an die Befreiung Libyens, zu entwickeln.</p>
<p>Ein weiteres Problem, dass bei dem kurzen Treffen angesprochen wurde, war die systematische Indoktrinierung des diaktatorischen Regimes von Gaddafi. Schulbücher, Geschichtsunterricht, die Gesellschaft und Kultur, sind durchgehend getränkt von der Diktatur und den Ideologien Gaddafis. Wie baut man einen Staat komplett neu auf, von neuen Schulbüchern bishin zu Aufklärungsprogrammen für die Gesellschaft und bis zur einer unabhängigen etablierten Presse?</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<table border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#d8feb1">
<h2>Treffen mit Abdul Aziz, Vizeaußenminister</h2>
<p>Nach dem wirklich sehr spannenden Treffen mit Herrn Ghariani trafen wir um 13 Uhr den Vizeaußenminister Abdul Aziz im Ministerium für Außenpolitik. Viele derzeitige Verwaltungsebenen haben noch Menschen angestellt oder wieder angestellt, die auch unter Gaddafi in diesem Job gearbeitet haben. Meist aus Mangel an Alternativen, jedoch bringt das selbstverständlich auch viele Probleme mit sich und verlangsamt die Erneuerung im Kern des Staates. Viele Gaddafi-Treue oder ehemals Gaddafi-Treue, die noch im System arbeiten, haben sehr hohe Funktionen.<br />
Was Libyen aus seiner Sicht benötigt und wo sich auch Deutschland daran beteiligen kann, ist die Unterstützung in Bereichen wie Technologie, Bildung, Politik und Einhaltung der Menschenrechte.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<table border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#d8feb1">
<h2>Treffen mit Civil Society</h2>
<p>Zurück im Hotel angekommen, ging es gleich weiter mit einem großen Treffen mit NGOs und sozialen Bewegungen. Es waren insgesamt gut 30 Leute aus verschiedenen Organisationen bei uns und wir haben uns zwei Stunden über verschiedene Themen, wie Wahlen und Frauenrechte, unterhalten.</p>
<h2>Folgende Organisationen waren anwesend:</h2>
<ul>
<ul>
<li>The Voice of Libyan Women – Gender &amp; elections</li>
<li>Libyan Org. of Competitiveness Economy – Business &amp; Economy</li>
<li>Libyan Women Association – Gender</li>
<li>The International Organization for Peace, Care and Relief – migration &amp; detention centres</li>
</ul>
</ul>
<p>Constitution &amp; elections &amp; Women Youth &amp; Elections</p>
<ul>
<li>Libya For All –Youth and elections</li>
</ul>
<p>Es haben sich seit dem Sturz von Gaddafi und dem Ende des Bürgerkrieges 4.000 verschiedene Zivilorganisationen gegründet. Libyen kann man nicht direkt mit anderen arabischen Staaten vergleichen, da Libyen eines der reichsten und weitentwickeltsten Ländern in Nordafrika ist und es deshalb ein sehr gutes Sozial-, Gesundheits- und Rentensystem gibt. Vor dem Gesetz sind in weiten Teilen Frauen und Männer gleich gestellt, allerdings gibt die Realität und die Handhabe in der alltäglichen Gesellschaft ein ganz anderes Bild. Frauen werden in der Gesellschaft nicht als gleichwertig angesehen, aber das Problem und die Unterdrückungmechanismen können nicht einfach mit besseren Gesetzen umgesetzt werden.</p>
<p>Gaddafi hat eine sehr lange Zeit regiert. Bereits so viele Neugründungen an NGOs nach nur einem Jahr, ist eine sehr große Heausforderung für die Ministerien, die sich nicht um alle kümmern können. Es fehlt an weiblichen Vorbildern in fast allen öffentlichen Bereichen, wie Politik, Wirtschaft und anderen.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich habe hierbei Kontakt zu The Voice of Libyan Women aufgenommen und danach noch etwas mit den Vertreterinnen Alaa Baiou &amp; Israa Murabit gesprochen, die sehr interessiert an einem Austausch mit der Grünen Jugend waren.</p>
<p>Nahtlos ging es nach dem Treffen mit einem sehr interessanten Treffen mit IOM, ICRC, UNHCR weiter.</p>
<table border="0" cellpadding="2">
<tbody>
<tr>
<td bgcolor="#d8feb1">
<h2>Treffen mit Vertretern IOM, ICRC und UNHCR</h2>
<p>Das Treffen war sehr ehrlich, wir haben einen intensiven guten Einblick in die Lage und die Probleme Libyens bekommen. Die Problematik mit den Milizen, den Gefängnissen, den Tewargha, Flüchtlingen und deren Weg nach Europa, die Verfolgung, Folterung und anderen Menschenrechtsverletzungen. In diesem Jahr sind mehr Menschen im Mittelmeer, auf dem Weg nach Europa, gestorben als je zuvor. Einige Schiffe fahren mit ca. 75 Menschen los und kommen mit weniger als 40 Menschen zurück nach Libyen oder Tunesien und stranden an der Küste.<br />
Auch hier wurde das Gesetz 38 wesentlich positiver gesehen und herausgestellt, dass man dann wenigstens ein paar Menschen bald aus den Gefängnissen entlassen kann. Einfach alle auf einmal zu entlassen, die nicht eingesperrt gehören, würde großes Unverständnis und Misstrauen bei der Bevölkerung auslösen, deshalb muss man den Prozess in kleinen Schritten gehen.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Nach diesem Treffen gab es 1,5 Stunden Pause und wir hatten Zeit, kurz in unser Zimmer zu gehen. Danach wurden wir von Rainer Eberle, dem deutschen Botschafter zum Abendessen eingeladen.</p>
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